konzert im dunkeln: Duo Kairos

Donnerstag, 04. Dezember 2014
Kasse 19:00, Beginn 20:00 Uhr

Reinhard Schimmelpfeng - Obertongesang
Dieter Weische - Shakuhachi

Die Frage, wie sich die Klänge der japanischen Bambusflöte mit chinesischer Windharfe, australischem Didgeridoo, indischer Tambura, tibetischem Muschelhorn und Obertongesang verbinden, beantworten Dieter Weische und Reinhard Schimmelpfeng gleich im ersten Ton ihres Zusammenspiels.
Im rauschigen Klang der Shakuhachi spielt der Atem als eigenständiges Klangelement eine zentrale Rolle. Jeder Ton eine Kostbarkeit, geschmeidig, variabel, erfühlt und erfüllt in einer Dynamik, die von gehauchter Tongebung bis zu aufbrausenden Episoden reicht.
Die Obertonlinien von Reinhard Schimmelpfeng beeindrucken durch ihre strahlende Leuchtkraft. Dabei reicht die Variabilität seiner Stimme von mittelalterlichen Gesängen bis zu tibetischem Untertongesang. Wir spüren, wie der Künstler tief in die Klänge hineinlauscht, sich mit ihnen verbindet und ihr Wesen in eine musikalische Aussage formt.

Kairos ist ein Begriff aus der griechischen Mythologie und meint den günstigen Augenblick, das rechte Maß für eine Entscheidung, für die Erledigung einer Aufgabe und den Moment des Seins - im Unterschied Chronos, der die vergängliche Zeit misst. Unsere Musik möchte die Hörer einladen, mit den Klängen mitzuschwingen und dabei etwas von der lebendigen Atemkraft dieses kairos zu erfahren.

Dieter Weische studierte Querflöte und erlernte die traditionelle Spielweise der Shakuhachi in der Schweiz, in Japan und Deutschland. Er arbeitet als Musiker und Musikpädagoge.

Reinhard Schimmelpfeng arbeitet als freier Obertonkünstler, Komponist und Klangtherapeut. Umfangreiche Konzert- und Seminartätigkeit in Deutschland und dem benachbarten Ausland.

„Als ich vor 27 Jahren bei einem der ersten Obertonkonzerte überhaupt mit Obertönen in Berührung kam, öffnete sich mir eine bis dahin völlig neue Klangwelt, die sich durch ihre Kraft und Reinheit, ihre Tiefe und Energie sowie durch ihre Ausbreitung im Raum und in mir selbst von all dem, was ich bislang gehört hatte, vollkommen unterschied. Seit meinem fünften Lebensjahr mache ich Musik und hatte doch bis dahin diese tiefe innere Verbindung mit den Klängen nicht gefunden, blieb meist äußerer Betrachter und Kritiker, auch beim Musizieren selbst. In meinem Instrumentalunterricht überwogen die technischen Aspekte. Und dann dieses Erlebnis, das eine bis dahin ungeahnte Sehnsucht in mir berührte – Kommunion mit Klang, Einverstandensein, Stimmigkeit. Ich hatte das Gefühl, dass diese Klänge mir zuhörten und nicht umgekehrt.
Seitdem erlebe ich Musik nicht nur als Folge von Tönen, sondern vor allem als Anordnung von Räumen, die zu durchschreiten, zu durchgleiten sind – geladene und entspannte, intensivst gefüllte oder auch leere, vibrierende, plastische, formbare Klangräume, die zwischen den Tönen zu entdecken sind. Musik, die atmet, die mich atmen lässt und einlädt, auch meine inneren Räume zum Schwingen zu bringen."


Foto © Frank Pusch




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