residenz@sendesaal: Julian Pregardien - An die Geliebte

Dienstag, 21. April 2015
Kasse 19:00, Beginn 20:00 Uhr

"An die Geliebte" - ein Liederabend mit

Julian Prégardien - Tenor
Christoph Schnackertz - Piano

Ein ganz besonderes Ereignis wird für uns der erste Auftritt eines Sängers in unserer Reihe ! Wir Instrumentalisten schauen immer mit Neid auf die unmittelbare emotionale Wucht , die der Gesang  auf die Zuhörenden ausüben kann - leider finden sich nicht allzu oft Berührungspunkte in der Kammermusikwelt-- aber als wir Julian Pregardien bei einer Produktion von Beethovens Fidelio trafen (er sang den jungen Joaquino) waren wir so begeistert von der schlanken, ausdrucksvollen Art diesen Part zu gestalten, dass  sofort der Wunsch aufkam, zusammen Musik zu machen und ihn zuerst einmal hier bei uns im Sendesaal mit einem Liederabend zu erleben.
Tanja Tetzlaff/Florian Donderer

Programm:
Ludwig van Beethoven (1770 - 1827) An die ferne Geliebte opus 98

Carl Maria von Weber (1786 - 1826)
 Die vier Temperamente beim Verluste der Geliebten opus 46
Der Leichtmütige
Der Schwermütige
Der Liebewütige
Der Gleichmütige

Richard Strauss (1864 - 1949) Mädchenblumen opus 22
Kornblumen
Mohnblumen
Epheu
Wasserrose

Hugo Wolf (1860 - 1903) Lieder nach Eduard Mörike
Lied eines Verliebten
Der Tambour
Jägerlied
Lied vom Winde Heimweh
An die Geliebte


Was ich seitdem, von Lust und Leid bezwungen,
geliebt, geirrt, gesungen:
ich knie vor Dir in all den tausend Bildern.

(aus "An die Entfernte", Joseph von Eichendorff)

Julian Prégardien schreibt dazu:
Unerfüllte Liebe – der Nährboden für tausende Lieder und Gedichte der Romantik. Die Titelliste dieses Albums könnte auf den ersten Blick wie eine einfache Kompilation meiner Lieblingslieder zu diesem Thema erscheinen. Doch tatsächlich ist das Programm "An die Geliebte" über einen langen Zeitraum und mit viel Herzblut entstanden. Bei der Planung meine ersten Lied-CD war mir der "Kompositionsvorgang" immens wichtig. Ich wollte so viel mehr ausdrücken, als mir der enge Rahmen eines großen romantischen Liedzyklus wie der „Müllerin“ oder der „Dichterliebe“ es mir erlaubt hätte.
Es war noch während meiner Studienzeit in Freiburg, als mir auf einem Antik-Markt ein "Insel"-Büchlein mit den Noten der „Fernen Geliebten“ in die Hände geriet. Sofort besorgte ich mir Beethovens "Brief an die Unsterbliche Geliebte", der für das Verständnis dieser Komposition meiner Meinung nach extrem wichtig ist. Beethoven hatte ich mir bis dato immer als strengen und verbitterten Mann vorgestellt. Von der ungeduldigen, schwärmerischen und liebevollen Sprache in diesem Seelenbekenntnis war ich ganz baff.    
Die „Ferne Geliebte“ wurde im Frühjahr 1816 veröffentlicht. Es ist nicht nur Beethovens einziger, sondern zugleich auch der erste durchkomponierte Liedzyklus überhaupt. Einige Jahre später entdeckte ich dann die nahezu unbekannten Weber-Lieder. Sie sind in etwa zeitgleich entstanden. Nicht nur der augenzwinkernde Titel "Die vier Temperamente beim Verluste der Geliebten" lädt also dazu ein, beide Werke unmittelbar nebeneinanderzustellen. Und ich genieße es sehr, mit den unterschiedlichen Charakteren zu zeigen, wie unterhaltsam die Musik dieser Zeit sein kann.
Auch die Gegenüberstellung der beiden anderen Komponisten auf diesem Album kommt nicht von ungefähr. Auf der einen Seite der früh verstorbene und zu Lebzeiten erfolglose Hugo Wolf, auf der anderen Richard Strauss, eine der wichtigsten und erfolgreichsten Musikerpersönlichkeiten aller Zeiten. Die „Mädchenblumen“ werden heute fast nur von hohen Sopranen gesungen. Ich staunte also nicht schlecht, als ich in der Notenausgabe die Widmung las: Kammersänger Hans Gießen, Tenor am Weimarer Theater. Die Lieder als Tenor zu singen bedeutet ein Wagnis, denn während ein Sopran das Pianissimo in hoher Lage bei der „Wasserrose“ mit Leichtigkeit meistert, ist es für die Tenorstimme eine echte Herausforderung! Die Lieder bekommen so eine ganz "unerhörte" Note, und sowohl Textvorlage als auch mein "Konzept" verlangen genau das.
Die Liedgruppe entstand 1888, zugleich das produktivste Jahr Hugo Wolfs. Seine Mörike- Vertonungen haben mich auf Anhieb am meisten berührt und die sechs hier ausgewählten Lieder habe ich zusammengestellt, um eine Alternative zur "Fernen Geliebten" aufzuzeigen - der junge Mann bewegt sich ja physisch nicht von seinem Hügel herunter! Da ist wiederum ein unglücklich verliebter Jüngling. Er sucht Ablenkung, wird eingezogen zum Militär, erträumt sich im Feldlager die schönsten Dinge, aber seine Gedanken schweifen immer wieder zur fernen Geliebten. Dann eines nachts ein Traum: auf einer kargen Hochebene erzählt ihm der umbrausende Wind von Heimat, Liebe, seinem Schatz. Er wacht auf, verlässt heimlich seinen Wachposten, und folgt einem Bach zu dessen Quelle. Und da, auf einmal: Ihr Antlitz!
Wie Beethovens Zyklus zu Beginn steht auch das letzte Wolf-Lied "An die Geliebte" in Es-Dur und schließt somit in vielerlei Hinsicht meinen ganz persönlichen Liederkreis.

Es-Dur, der Ton der Liebe, der Andacht, des traulichen Gesprächs mit Gott;
durch seine drey B, die heilige Trias ausdrückend. (aus "Ästhetik der Tonkunst", C.F.D. Schubart)



Julian Prégardien ist als Opern-, Konzert- und Liedsänger gleichermaßen erfolgreich.
Besonders als Interpret der Evangelistenpartien von J. S. Bach genießt der Tenor eine hervorragende Reputation. Zuletzt sang er das „Weihnachtsoratorium“ unter Leitung von Peter Schreier in der Münchner Philharmonie und den Evangelist in der „Matthäuspassion“ unter Philippe Herreweghe in New York, mit der Nederlandse Bachvereniging im Concertgebouw Amsterdam und mit dem Chor des Bayerischen Rundfunks und Peter Dijkstra im Rahmen einer CD- und DVD-Produktion im Herkulessaal München. Der Mitschnitt wurde mehrfach im deutschen Fernsehen ausgestrahlt (BR, MDR, Arte, 3Sat). Die „Johannespassion“ sang er zuletzt mit Lars Ulrik Mortensen und Concerto Copenhagen in Riga/Lettland, ebenfalls mit Fernsehübertragung. Bereits 2010 erschien eine Einspielung der „Johannespassion“ beim französischen Label ZIG ZAG, die international hervorragend besprochen wurde. Im Frühjahr 2015 spielt er den Johannes-Evangelisten erneut ein (für den Bayerischen Rundfunk).
Ferner konzertiert er mit der Internationale Bachakademie Stuttgart unter Hans-Christoph Rademann (Bach-Kantaten), mit der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen und dem Chor des BR unter Peter Dijkstra (Mozart „Requiem“) und mit dem Kölner Kammerorchester unter Christoph Poppen (Haydn „Schöpfung“).
Auf der Opernbühne gastierte er zuletzt als Jaquino in Beethovens „Fidelio“ mit der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen und Paavo Järvi und als Eurimedes in Telemanns "Orpheus" an der Oper Frankfurt. Zuvor war Julian Prégardien Ensemblemitglied der Oper Frankfurt und sang dort unter anderem Tamino in Mozarts "Zauberflöte", Jason in Charpentiers "Medée" und The Novice in Brittens "Billy Budd". Beim Festival d`Aix-en-Provence sang er den Nencio in Haydns „L’infedeltà delusa“ und den Belfiore in Mozarts „La Finta Giardiniera“. Julian Prégardien wirkte bei der mit dem Echo Klassik ausgezeichneten Einspielung von Glucks "Ezio" unter Leitung von Alan Curtis mit (VIRGIN). Daneben war er an Cecilia Bartolis zweiter CD-Einspielung mit Werken von Agostino Steffani ("Stabat Mater") beteiligt (DECCA).
Seine Lied-Debüt CD „An die Geliebte“ (MYRIOS CLASSICS) zusammen mit dem Pianisten Christoph Schnackertz wurde Anfang 2014 von der Presse hoch gelobt. Liederabende gab er u.a. beim Davos Festival, Menuhin-Festival Gstaad, Musikfest Stuttgart, Rheingau Musik Festival, bei den Festspielen Mecklenburg-Vorpommern, Edinburgh und Schwetzingen. 2013 debütierte er bei der Schubertiade Schwarzenberg, wo er 2015 wieder zu Gast ist. Zusammen mit seinem Vater stehen in dieser Saison Liederabende beim Haydn-Festival Brühl, beim Musikfest Stuttgart, in der Wigmore Hall London und bei den Pfingstfestspielen Salzburg an.
Der Sänger setzt mit Vorliebe auch besondere kammermusikalische Programmideen um: zum Schumann-Jahr 2010 führte er eine eigene Bearbeitung des Liederkreises opus 24 für Streichquartett mit improvisierten Klavier-Intermezzi auf (Festspiele Mecklenburg-Vorpommern, mit dem Gémaux Quartett und Michael Gees). Zusammen mit Musikern des Ricercar Consorts konzipierte er 2014 eine "Schubertiade" mit Liedbearbeitungen, Instrumentalwerken und Texten von Schubert und Zeitgenossen für Flöte, Baryton/Gambe und Gitarre. Dieses Programm wird 2015 als zweite Solo-CD bei MYRIOS CLASSICS veröffentlicht.
Seine musikalische Ausbildung erhielt der 1984 in Frankfurt geborene Sänger bei der Limburger Dommusik und an der Musikhochschule Freiburg. Seit dem Sommersemester 2013 hat Julian Prégardien einen Lehrauftrag in der Oratorienklasse der Hochschule für Musik und Theater München.

Christoph Schnackertz, Jahrgang 1984, erhielt seinen ersten Klavierunterricht bei Clovis Alessandri und studierte in Köln bei Prof. Pierre-Laurent Aimard und Prof. Jürgen Glauss (Liedbegleitung). Wichtige Anregungen erhält er seit 2005 außerdem als ständiger Begleiter der Gesangsklasse von Prof. Christoph Prégardien.
Er war von 2007 bis 2010 Stipendiat von "Yehudi Menuhin LiveMusicNow Köln e.V." und er ist Preisträger des Felix-Mendelssohn-Bartholdy-Wettbewerbs in Berlin (Begleiterpreis 2011).
Seit Oktober 2011 hat Christoph Schnackertz einen Lehrauftrag für Liedgestaltung an der Hochschule für Musik und Tanz Köln.
Sein Repertoire umspannt alle großen Liedzyklen der Romantik, wie auch Lieder von z.B. Gustav Mahler,  Richard  Strauss  und  Wolfgang  Rihm,  und  er  arbeitet  mit  Sängern  aller  Stimmfächer zusammen. Seine Arbeit ist in zahlreichen Rundfunk-Mitschnitten dokumentiert. Zusammen   mit   Julian   Prégardien   bildet   er   seit   2012   ein   festes   Duo.   Die   gemeinsame Konzerttätigkeit führte die beiden bisher u.a. nach Zürich, Kopenhagen, München, Berlin und Hamburg. Im Mai 2014 erschien die Debut-CD des Duos - „An die Geliebte“ - beim Label Myrios Classics in Kooperation mit dem Deutschlandfunk.
In der Spielzeit 2014/2015 begleitet Christoph Schnackertz am "Theater am Engelsgarten", dem neuen Schauspielhaus Wuppertals, eine szenische Produktion von Schuberts "Die schöne Müllerin"

residenz@sendesaal: Julian Pregardien - An die Geliebte