Kurt Seibert spielt Beethoven

Mittwoch, 03. Mai 2017
Kasse 19:00, Beginn 20:00 Uhr

Kurt Seibert spielt Beethoven
Kurt Seibert
- Klavier


Programm:
Ludwig van Beethoven:

Klavierstück „Für Elise“
Polonaise op. 89
Andante Favori

Drei  Sonaten op 31
Sonate G-Dur op. 31/1
Sonate d-Moll op. 31/2
Sonate Es-Dur op. 31/3

Wohl das berühmteste kurze Klavierstück Beethovens „Für Elise“ oder nach dem verschollenen Autograph: „Für Elise am 27 April zur Erinnerung von L. v. Bthvn „ (um 1810) ist der unbestrittene Leuchtturm im Programm des Klavierabends mit Werken seiner „mittleren“ Schafffensperiode. Millionen von Klavierschülern haben sich daran versucht, viele wurden dabei auch mit den  technischen Tücken des Mittelteils konfrontiert, die Popmusik hat sich der Melodie bemächtigt, ein Klingelton bringt Beethoven auf das Handy und nicht zuletzt ist die Widmungsträger nach wie vor geheimnisumwittert. Trotzdem ist es aber auch ein anrührendes romantisches Albumblatt, meisterhaft mit leichter Hand skizziert!

Im Gegensatz dazu steht eins der sehr selten zu hörenden kleineren Werke Beethovens, das während des Wiener Kongresses entstand: die Polonaise. (1814/1815), sie ist der in Wien anwesenden Zarin Elisabetha Alexeiewna gewidmet. Die Komposition samt Widmung war auch eine Art „Mahnung“- so wurde sie dann auch verstanden- endlich das Honorar für die Widmung der Violinsonaten op.30 zu bezahlen.

Das „Andante Favori“(1803/04) ein zur Zeit außer Mode gekommenes, bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts beliebtes, hochgeschätztes und viel gespieltes Rondo, war ursprünglich als langsamer Satz der „Waldsteinsonate“ gedacht und hat eine interessante Geschichte, die uns von seinem Schüler Karl Czerny überliefert ist: „Da es als Sonatensatz zu lang war…gab er es einzeln in Stich… und wegen seiner Beliebtheit- wenn es Beethoven häufig in Cirkeln spielte – gab er ihm den Namen Andante favori“

Ich bin nur wenig zufrieden mit meinen bisherigen Arbeiten. Von heute an will ich einen neuen Weg einschlagen." sagte Beethoven um 1802 zu dem Geiger Krumpholz, wie Karl Czerny berichtet und schon wenige Wochen später erschienen dann die drei Sonaten op. 31, "in welchen man die teilweise Erfüllung seines Entschlusses erkennen kann." Diese Kompositionen markieren den Beginn der „mittleren Schaffensperiode“. So fragwürdig die immer noch beliebte  Einteilung in Früh-Mittel-und Spätstil bei vielen Komponisten ist, bei Beethoven hat sie durch seine eigenen Worte eine inhaltliche Berechtigung: er beschreitet mit konsequenter die neuen Wege, die er von Anfang an mit seinen Sonatenkompositionen eingeschlagen hat und haucht sowohl den tradierten Satztypen und Modellen, als er auch die zyklische Form der Großform Sonate unter anderem durch romantische und bildhafte Elemente anreichet neues Leben ein. So wird aus der Präsentation eines rhythmisch geprägten ersten und melodiösen 2. Themas, wie es in seiner Zeit typisch für Sonatenhauptsätze ist, in der  „Sturm-Sonate“ die mystische Geburt eines Themas: Und die Erde war wüst und leer, und Finsternis lag auf der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte über dem Wasser. Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es ward Licht. Die drei Sonaten op 31- ich empfinde sie als zusammengehörig und zyklisch gedacht – sind selten zusammen zu hören. Nicht so die  zweite Sonate der Sammlung, die „Sturm-Sonate“, die unter Pianisten Karriere gemacht hat. Ob dabei das Wort „Sturm„ das Interesse junger Virtuosen weckt? Czerny sagt allerdings, dass Beethoven bei der Komposition des letzten Satzes einen Reiter am Fenster vorbeireiten höret, was ihn zur Komposition angeregt habe und Beethovens Biograph Schindler berichtet, dass er ihn einmal nach inhaltlichen Erklärungen zu dieser Sonate gefragt habe und Beethoven geantwortet habe: „Lesen Sie Shakespeares Sturm“. Ist das nun eine eher unwirsche und beiläufige Antwort oder eine Anregung, durch die Lektüre von Shakespeares Spätwerk die poetische Idee der Musik aufzuschließen?

Es ist wie immer bei Beethovens Musik: sie ist scheinbar vertraut, bleibt immer rätselhaft und alle intellektuellen Deutungsversuche werden ihr nicht gerecht.