residenz at sendesaal: Liederabend Juliane Banse

Donnerstag, 28. September 2017
Kasse 19:00, Beginn 20:00 Uhr

Juliane Banse - Sopran
Martin Helmchen - Klavier

Paul Hindemith (1895 – 1963): Das Marienleben op. 27 (1922/23)
für Singstimme und Klavier
Erstfassung
Texte von Rainer Maria Rilke

I. Geburt Mariä
II. Die Darstellung Mariä im Tempel
III. Mariä Verkündigung
IV. Mariä Heimsuchung
V. Argwohn Josephs
VI. Verkündigung über die Hirten
VII. Geburt Christi
VIII. Rast auf der Flucht nach Ägypten
IX. Von der Hochzeit zu Kana
X. Vor der Passion
XI. Pietà
XII. Stillung Mariä mit dem Auferstandenen
XIII. Vom Tode Mariä I
XIV.  Vom Tode Mariä II
XV. Vom Tode Mariä III

Foto Juliane Banse© Elsa Okazaki
Foto Martin Helmchen©Giorgia Bertazzi

"Die Sopranistin Juliane Banse und der Pianist Martin Helmchen sind uns schon lange als fantastische Musiker bekannt, und es erfüllt uns mit großem Stolz, dass sie ihre neue CD in unserer Reihe im Sendesaal produzieren werden: Paul Hindemiths Liederzyklus "Das Marienleben" nach Gedichten von Rainer Maria Rilke wird  als Abschluss ihrer Aufnahmetage in diesem Konzert erklingen -- wie Martin Helmchen dazu sagte: "Religiosität gespiegelt in Tiefenpsychologie " -- ein hoch interessantes und seltenes Musik - Erlebnis erwartet uns !"
Tanja Tetzlaff/Florian Donderer

Inmitten einer Phase staunenerregender Produktivität und wachsender Popularität vollendete der siebenundzwanzigjährige Hindemith am 4. Juli 1923 das letzte Lied seines fünfzehnteiligen Zyklus Das Marienleben op. 27 auf Gedichte von Rainer Maria
Rilke. Kaum ein Werk scheint geeigneter, uns das ganze Spektrum des Künstlers Hindemith zu erschließen, als eben dieser Zyklus. Kein Geringerer als Glenn Gould bezeichnete das Marienleben als bedeutendsten Liederzyklus überhaupt, wobei uns die vollständige Wiedergabe der Bemerkung Goulds zum wichtigsten Aspekt der Werkgenese und zugleich mitten in unser heutiges Konzert führt: „I firmly believe that Das Marienleben in its original form is the greatest song cycle ever written..“ Gould bezieht sich auf die ›original form‹, also die Urfassung von 1922/23, die Juliane Banse und Martin Helmchen für ihre Aufführung gewählt haben.

Juliane Banse
Die in Süddeutschland geborene und in Zürich aufgewachsene Sopranistin nahm zunächst Unterricht bei Paul Steiner, später bei Ruth Rohner am Opernhaus Zürich und vervollständigte dann ihre Studien bei Brigitte Fassbaender und Daphne Evangelatos in München. Ihren künstlerischen Durchbruch erlangte sie bereits als 20-Jährige als Pamina an der Komischen Oper Berlin in einer Produktion von Harry Kupfer.
Juliane Banse ist herausragend in ihrer künstlerischen Vielfältigkeit. Ihr Opernrepertoire reicht von der Figaro-Gräfin, Fiordiligi (Così fan tutte), Donna Elvira (Don Giovanni), Vitellia (La Clemenza di Tito) über Genoveva (Titelpartie), Leonore (Fidelio), Tatjana (Eugen Onegin), Arabella (Titelpartie) bis hin zu Grete (Der ferne Klang).
Auch im Konzertbereich ist die Künstlerin mit einem weit gefächerten Repertoire gefragt. Mit zahlreichen namhaften Dirigenten hat sie zusammen gearbeitet, darunter Lorin Maazel, Riccardo Chailly, Bernard Haitink, Franz Welser-Möst, Mariss Jansons und Zubin Mehta.
Aktuelle Engagements führen sie u. a. an die Opernhäuser in Nantes und Anger, wo sie als Elsa von Brabant in Wagners Lohengrin zu hören ist. An der Deutschen Oper am Rhein singt sie in der Neuproduktion von Lehárs Graf von Luxemburg in der Regie von Jens-Daniel Herzog die Partie der Angèle Didier.
Ein weiterer Focus gilt der Kammermusik, ein Höhepunkt 2016 war eine Uraufführung von Manfred Trojahn im Rahmen der Salzburger Osterfestspiele. Juliane Banse ist in dieser Saison bei der Schubertiade Vilabertran zu erleben, in Oxford, bei der Liedwoche auf Schloss Elmau mit Wagners Wesendonck-Liedern, in Bremen mit dem KUSS-Quartett mit Reimanns/Mendelssohns Oder soll es Tod bedeuten sowie im Rahmen der ersten Konzerte im neuen Boulez-Saal in Berlin mit einem Liederabend begleitet von Wolfram Rieger. Hindemiths Zyklus Das Marienleben hat sie mit Martin Helmchen bereits  2016 einmal in der Kölner Philharmonie aufgeführt.
Zahlreiche CD-Einspielungen der Künstlerin sind preisgekrönt, gleich zwei erhielten den Echo Klassik: Braunfels‘ Jeanne D’Arc mit dem Swedish Radio Symphony Orchestra unter Manfred Honeck (Welt-Ersteinspielung des Jahres) und Mahlers 8. Sinfonie mit dem Tonhalle Orchester Zürich unter David Zinman (Sinfonische Einspielung des Jahres/19. Jahrhundert).

Mit dem Wintersemester 2016/2017 hat Juliane Banse eine Gesangsprofessur an der Robert Schumann Hochschule Düsseldorf übernommen.

Martin Helmchen hat sich als einer der Top-Pianisten der jüngeren Generation etabliert. Er gastierte in den vergangenen Jahren bei den Berliner und Wiener Philharmonikern sowie dem New York Philharmonic Orchestra.
1982 in Berlin geboren, studierte er zunächst bei Galina Iwanzowa an der HfM „Hanns Eisler“ Berlin, wechselte später zu Arie Vardi an die HMTMH Hannover; weitere Mentoren sind William Grant Naboré sowie Alfred Brendel. Einen ersten entscheidenden Impuls bekam seine Karriere, als er 2001 den „Concours Clara Haskil“ gewann. 2006 wurde er mit dem „Credit Suisse Young Artist Award“ ausgezeichnet.
Martin Helmchen konzertiert mit zahlreichen renommierten Orchestern, darunter die meisten deutschen Rundfunkorchester, das Tonhalle-Orchester Zürich, das Orchestre de Paris, die Wiener Symphoniker, das London Philharmonic Orchestra, die Academy of St Martin in the Fields, das Boston Symphony und das Cleveland Orchestra sowie das NHK Symphony Orchestra, Tokio.
Er arbeitet mit Dirigenten wie David Afkham, Marc Albrecht, Herbert Blomstedt, Lionel Bringuier, Christoph von Dohnányi, Sir Mark Elder, Ed Gardner, Philippe Herreweghe, Manfred Honeck, Marek Janowski, Vladimir Jurowski, Andris Nelsons, Sir Roger Norrington, Andrés Orozco-Estrada, Christoph Poppen, Michael Sanderling und David Zinman.
 
Einen besonderen Stellenwert hat für ihn die Kammermusik - eine Leidenschaft, für die Boris Pergamenschikow die wesentlichen Impulse gab. Zu seinen engen Kammermusikpartnern gehören Juliane Banse, Matthias Goerne, Veronika Eberle, Julia Fischer, Sharon Kam, Christian Tetzlaff sowie seine Ehefrau Marie-Elisabeth Hecker.

In der Saison 2016/17 gastierte Martin Helmchen beim Hallé Orchestra Manchester unter Andrew Manze, Santa Cecilia Rom unter David Afkham, dem Gewandhaus Orchester unter Herbert Blomstedt, dem Nederlands Filharmonisch Orkest unter Marc Albrecht, dem Tonhalle-Orchester Zürich sowie dem Scottish Chamber Orchestra unter Philippe Herreweghe sowie dem Zürcher Kammerorchester unter Sir Roger Norrington.

Martin Helmchen hat für PentaTone Classics zahlreiche CDs aufgenommen, u.a. Klavierkonzerte von Mozart, Schumann, Dvořák und Mendelssohn sowie Solowerke und Kammermusik von Schubert, Schumann und Brahms. Bei outhere music erschienen zuletzt die Brahms Cellosonaten, eingespielt mit Marie-Elisabeth Hecker. Aufgenommen übrigens im Sendesaal.

Seit 2010 ist Martin Helmchen Associate Professor für Kammermusik an der Kronberg Academy.